Die Studie: Umsetzung und Organisation von Ausgleichsflächen und Ausgleichsflächenpools
Im April 2025 haben Univ.-Prof.in Erika Wagner (Vorständin des Instituts für Umweltrecht) und Univ.-Ass.in Daniela Ecker von der Johannes Kepler Universität Linz im Auftrag des Landes Oberösterreich eine rund 100-seitige Studie zur Umsetzung und Organisation von Ausgleichsflächen und Ausgleichsflächenpools vorgelegt.
Die Studie arbeitet zunächst die gesetzlichen Vorgaben auf EU-Ebene auf — FFH- und Vogelschutz-Richtlinie, die RED-III-Richtlinie mit ihren Beschleunigungsgebieten für erneuerbare Energien sowie die EU-Wiederherstellungsverordnung (Nature Restoration Law) — und anschließend die nationale Rechtslage: das UVP-Gesetz in der Fassung der Novelle 2023, das Oö. Naturschutzgesetz sowie die Oö. Ausgleichsmaßnahmenverordnung inklusive der Regelung von Vorratsflächen im Oö. Landesnaturschutzbuch.
Ihr zentraler Befund: Für die Organisation eines Ausgleichsflächenpools fehlt in Österreich eine einheitliche gesetzliche Grundlage auf nationaler Ebene.
Studie als PDF (land-oberoesterreich.gv.at)Wo kompensation.at ansetzt
Die Studie beantwortet eine rechtliche Frage: Wer könnte einen Ausgleichsflächenpool auf eine solide, langfristig tragfähige Basis stellen? kompensation.at beantwortet eine praktische Frage, die sich unabhängig davon täglich stellt: Wie finden Grundeigentümer mit geeigneten Flächen und Obliganten mit gesetzlicher Ausgleichspflicht überhaupt zueinander?
Als digitaler Flächenpool und Online-Marktplatz (Kompensationsmarkt) übernimmt kompensation.at schon heute zentrale Aufgaben, die auch in der Studie als Kernfunktionen eines Ausgleichsflächenpools genannt werden: Flächen werden erfasst, naturschutzfachlich bewertet und im Öko-Pooling als bereits aufgewertete Vorratsflächen vorgehalten, bis sie an einen Obliganten vermittelt werden. Wir sind damit keine gesetzlich verankerte Trägerorganisation im Sinne der Studie — aber wir schließen als Flächenagentur, Landschaftsagentur und Ökoflächenagentur bereits jetzt die praktische Lücke.
Wichtige Begriffe rund um Ausgleichsflächenpools
- Ausgleichsflächenpool
- Eine gebündelte Vorhaltung von Ausgleichsflächen, die noch nicht einem konkreten Eingriff zugeordnet sind — Grundidee sowohl der JKU-Studie als auch von kompensation.at.
- Vorratsflächen
- Flächen, die bereits gesichert bzw. ökologisch aufgewertet sind, bevor ein konkreter Bedarf feststeht — reduziert die Vorlaufzeit im Genehmigungsverfahren erheblich.
- Verursacherprinzip / Eingriffs-Ausgleichs-Prinzip
- Wer in Natur und Landschaft eingreift, muss den Schaden ausgleichen. Grundlage der Ausgleichspflicht in allen österreichischen Landesnaturschutzgesetzen.
- Naturverträglichkeitsprüfung (NVP)
- Prüfung, ob ein Projekt mit den Erhaltungszielen eines Natura-2000-Gebiets vereinbar ist — bei Beeinträchtigung sind Ausgleichsmaßnahmen vorzusehen.
- CEF-Maßnahmen
- Vorgezogene Ausgleichsmaßnahmen (Continuous Ecological Functionality), die die ökologische Funktion eines Lebensraums bereits vor Baubeginn sichern.
- Beschleunigungsgebiete
- Nach der RED-III-Richtlinie ausgewiesene "Go-to"-Gebiete mit verkürzten Genehmigungsverfahren für erneuerbare Energien.
- Ausgleichswert / Eingriffswert / Bewertungsfaktor
- Kennzahlen aus dem Bewertungsverfahren, mit denen Fachplaner:innen berechnen, wie viel Ausgleichsfläche welcher Qualität ein Eingriff auslöst.
Dieser Artikel fasst die öffentlich zugängliche Studie in eigenen Worten zusammen und ordnet sie ein. Er ersetzt keine Rechtsberatung; maßgeblich ist die Originalstudie sowie das jeweils geltende Landesnaturschutzrecht.